Wenn der Weg zum Himmelreich nur eines Menschen breit ist…

… sollte dann nicht auch jeder Mensch sein eigenes Glaubensbekenntnis haben?

Warum ein individuelles Glaubensbekenntnis Menschen stärkt

eine Betrachtung und ein Kommentar von Christian auf Basis eines Spruches, mit dem er in unserer Kirche und ihrer Vorgänger groß wurde.

Manche Institutionen geben einem Menschen eine fertige Wahrheit. Die muss er nur nachsprechen. Das ist okay – bis zu dem Punkt, an dem man anfängt, darüber nachzudenken, Fragen zu stellen und die fertige Wahrheit zu prüfen. Im Laufe der Zeit kommt man an einen Punkt, an dem es für mich im Wesentlichen zwei Richtungen gibt: Bewegung oder Starre. In meinen Augen ist Starre gleichbedeutend mit geistigem Tod. Was bleibt, ist Bewegung. Bewegung im Geiste beziehungsweise auch gleich die Bewegung aus der Institution heraus, weil sie Dir keine Antworten gibt oder geben will.

Ich denke, eine Kirche ist dafür da, Menschen einen Raum zu öffnen. Einen Raum, in dem sie sich orientieren können, einen Raum, in dem sie sich mit ihren eigenen Überzeugungen auseinandersetzen, einen Raum, in dem etwas Eigenes entstehen darf.

Unser individuelles Glaubensbekenntnis ist solch ein Raum und ein Musterbeispiel dafür, wie echte persönliche Entwicklung funktioniert. Ein individuelles Glaubensbekenntnis ist ein Prozess: Ein Mensch prüft, was ihn trägt. Er formuliert, was für ihn Bedeutung hat. Er lebt es in einer Gemeinschaft, die ihn nicht bevormundet, sondern begleitet. Und schließlich übernimmt er selbst Verantwortung dafür, was er glaubt. Aus Freiheit – und mit der Verantwortung, die Freiheit mit sich bringt.

„Der Weg ist eines Menschen Breite“
So steht es nicht in der Bibel. Es formt ein Bild aus zwei biblischen Gedanken:

Der Weg ist schmal (Matthäus 7,14) und das Reich Gottes ist mitten unter – oder, je nach Übersetzung, in – euch (Lukas 17,21).

Daraus ergibt sich für mich ein schönes Bild: Der Weg zum Himmelreich führt durch den Menschen hindurch.

Er ist eines Menschen Breite.

Genau darin liegt die Kraft: Wer sein eigenes Bekenntnis formuliert, übernimmt Verantwortung für sein Denken, sein Handeln und seine Wirkung. Er wird nicht geführt, er führt sich selbst. Wir wissen, dass das Bekenntnis eine Momentaufnahme ist. Es stellt den derzeitigen Blickwinkel und Erkenntnisstand des Menschen dar. Und es darf sich verändern.

Für uns bei FAGEV ist das ein zentraler Gedanke: Menschen wachsen dort, wo sie Glauben nicht einfach nachsprechen müssen, sondern selbst suchen, prüfen und formulieren dürfen, was sie trägt.

Wenn der Weg durch den Menschen hindurchführt, kann die Auseinandersetzung mit Glauben letztlich niemand delegieren. Ein gemeinsames Glaubensbekenntnis kann Orientierung geben. Eine Kirche kann Raum geben und begleiten. Andere Menschen können Erfahrungen, Zweifel und Erkenntnisse teilen.

Gehen muss den Weg jeder selbst.

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